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B2 Gebäudebrand

16.01 bis 19.01.2009 Brand in Dehnfuge Siegburg-Stallberg
19.01.2009 - 16:01 von Georg Burmann


16.01 bis 19.01.2009 Brand in Dehnfuge Siegburg-StallbergAm 16.01.09 23:09 Uhr wurde die hauptamtliche Wache der Feuerwehr Siegburg zu Zeithstr. 317 in eine Wohnung im 2. Obergeschoss gerufen. Die Mieter hatten einen leichten Rauch aus einer Steckdose im Schlafzimmer bemerkt. Die Einsatzkräfte gingen zunächst von einem Kabelbrand aus. Ein Fehler in der elektrischen Anlage war jedoch nicht feststellbar. Bei der anschließenden umfangreichen Erkundung des Hauses durch den Einsatzführungsdienst wurde im Haus Zeithstr. 311 leichter Rauch unter dem Dach festgestellt. Nach und nach wurden weitere Rauchquellen entdeckt. Schließlich stellte sich ein Schwelbrand von Holzfaser - Isolierplatten in der Dehnfuge zwischen den Häusern Nr. 311 und 317 als Ursache für die Rauchbildung heraus.

Damit war von einem umfangreichen Einsatz auszugehen und die Einsatzkräfte wurden mit weiterem Personal verstärkt.
DIe Dehnfuge erstreckt sich über eine Gebäudebreite von ca. 15m und insgesamt 5 Geschosse. Eine Fläche von ca. 225 m2 war damit betroffen. Mit Wärmebildkameras (eine zusätzliche Kamera stellte die Feuerwehr Troisdorf zur Verfügungt) wurden im Verlauf des Einsatzes verschiedene Brandnester bzw. lokal erwärmte Stellen in der Wand zunächst nur im Bereich von Keller- und Ergeschoss festgestellt. Eine Brandausbreitung über die 3 Obergeschosse bis in den Dachbereich konnte nicht ausgeschlossen werden. Hier wurden durch Abdecken der Dachhaut eine weitere Inspektionsöffnung geschaffen.
In dem vom Schwelbrand betroffenen unteren Bereich der Dehnfuge stellten sich die Maßnahmen als relativ einfach dar, die Wand war frei zugänglich:
Wie bereits bei ähnlichen Fällen in guter Zusammenarbeit praktiziert, kamen gegen 3 Uhr morgens die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des THW Siegburg zum Einsatz, die mit einem Kernlochbohrgerät und leistungsfähigen Bohrhammer Zugangsöffnungen zur Dehnfuge schafften. Die Öffnungen wurden genutzt um gezielt Löschwasser bzw. Löschwasser mit Netzmittel (damit dringt Wasser besser in faserige Werkstoffe ein) an die verschiedenen Brandnester zu bringen. Dazu kamen sogenannte FOGNAILS (Löschnagel) zum Einsatz mit denen gezielt Löschwasser in hinter Wänden liegende Bereiche eingebracht werden kann.
Auch die zur Gebäudefront hin offene Seite der ca. 50 mm breiten Fuge wurde nach Entfernen der Dichtung zum Einbringen von Löschwasser genutzt. Die verbauten Faserplatten verhindern jedoch, daß grossflächige Bereiche vom Löschwasser erfasst werden. Es gelang jedoch bis zum Samstagmorgen die Rauchentwicklung fast völlig zu stoppen. Die Wandtemperaturen gingen in den betroffen Bereichen zurück. Am 17.01.09 konnten gegen 5 Uhr die Einsatzkräfte von 26 Mann mit 6 Fahrzeugen auf 9 Mann mit 2 Fahrzeugen reduziert werden.

Die Löschmaßnahmen wurden begleitet von einer Kontrolle der betreffenden Gebäude fortgeführt.
Am 17.01.09 um ca. 21:00 wurde eine Erhöhung der Temperatur auf der Höhe des 2. Obergeschoss fest gestellt. Die bewohnten Bereiche in den 3 Obergeschossen der beiden Gebäude sind allerdings nicht frei zugänglich wie die Durchfahrt im Bereich des Ergschosses. Um Schäden durch Bohrungen und Löschmittel in den Wohnungen zu vermeiden, musste ein anderes Löschverfahren gewählt werden.

Die Einsatzleitung entschied sich dazu den Spalt zwischen den Häusern mit Kohlendioxid zu fluten. Damit wird erreicht, daß die gesamte Fläche der Fuge mit Löschmittel beaufschlagt wird. Bis es jedoch zum ersten Löschangriff mit CO2 Gas kommen konnte waren noch umfangreiche Vorarbeiten nötig:
Die Fuge musste wieder möglichst gasdicht verschlossen werden. Dazu wurde Montageschaum aus einem Baumarkt beschafft.
Unterstützung kam wieder einmal vom THW Siegburg. Sie halfen beim Verschliessen der Inspektionszugänge im unteren Bereich der Wand und sorgten für eine gute Ausleuchtung der Einsatzstelle.
Eine Löschlanze zum Fluten musste entwickelt und gebaut werden. Den Bau der Lanze übernahm die Werkfeuerwehr Siegwerk in der Schlosserei des Werkes. Sie stellte auch 2 große Flaschen CO2 zur Verfügung.
Nach Fertigstellung der Lanze hergestellt aus 30 mm Stahlrohr mit angeschweisster Spitze und seitlichen Bohrungen für den Gasaustritt musste diese Lanze vom Dachgiebel aus in die Dehnfuge hineingedrückt werden. Das Einbringen des Löschgases vom Dach aus war notwendig, da Kohlenstoffdioxid schwerer als Luft ist und ein vollständiger druckdichter Abschluss der Dehnfuge nicht zu erwarten war.
Immerhin 6 Stunden wurden für die vorbereitenden Arbeiten benötigt. Gegen 5 Uhr morgens konnte das erste Löschgas eingeleitet werden. Der oben genannte Rauchaustritt aus der Steckdose lies erwarten, daß die Gebäudewände nicht gasdicht ausgeführt werden. Deshalb wurden zeitgleich zur Einleitung des Gases
die CO2 Konzentration im Bereich der Wohnungen und im Kellerbereich überwacht.
Zwar zeigte sich bereits nach einigen Minuten ein erster Löscherfolg allerdings mussten noch weitere Klippen (Vereisung der Lanzenspitze) überwunden werden bevor die Rauchentwicklung völlig zum Erliegen kam.
So wurde am 18.01.09 um gegen 10 Uhr der Spalt nochmals geflutet. Zu diesem Zeitpunkt wurde keine Rauchentwicklung mehr festgestellt. Das Feuer erwies sich jedoch als hartnäckig. Vermutlich waren Teilbereich der Isolierung so dicht gepackt (verpresst) das nicht überall ein leichter Zutritt des Löschgases möglich war.
Am Mittag zeigte sich wieder eine leichte Rauchentwicklung. Mit einer weiteren CO2 Flasche konnte rasch nachgelöscht werden.
Die letzte Kontrolle wurde am 19.01.2009 mit entgültig negativem Ergebnis "kein Feuer mehr" durchgeführt.



Einsatz einer Wärmebildkamera. Die hellen Flecken im Display zeigen die lokale Erwärmung in der Wand.

Durch das THW Siegburg wir eine 35 cm lange Kernlochbohrung durch die Betonwand eingebracht. Vorteil: Inspektionsöffnung bis zur Dehnfuge


Einsatz eines sogenannten Fognail (Löschnagel). Zum Einbringen von Löschmittel ist ein Bohrungsdurchmesser von 30 mm ausreichend. Nachteil: Inspektion der Dehnfuge nicht möglich


Der Druckgasbehälter mit Kohlensäuregas wird an die Lanze angeschlossen.


Gemeinsamer Einsatz von THW und Feuerwehr Siegburg







Spitze der von der Werkfeuerwehr Siegwerk gebauten Löschlanze




Am Sonntagnachmittag wird der 3. Druckgasbehälter angeschlossen.


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